30. Juni 2009
aus der Südostbayerischen Rundschau vom 23.06.09
Bauern weltweit vor Gefahren warnen

 
    Salzburg (al). Es passiert sicher nicht jeden Tag, dass gleich zwei alternative Nobelpreisträger bei einer Veranstaltung sprechen, aber die Organisatoren der Großveranstaltung gegen die grüne Gentechnik, das Bündnis Zivilcourage Österreich und Bayern, brachte das Kunststück fertig, mit Percy Schmeiser und Vandana Shiva zwei solche Preisträger am selben Abend in die Salzburgarena zu bringen. Natürlich wurden auch die einschlägig Interessierten im angrenzenden Bayern mobil. Aus den Landkreisen Traunstein und BGL kamen drei Busladungen und viele Fahrgemeinschaften nach Salzburg. Sie halfen, die Besucherzahl weit über die 2.000-er-Marke zu stemmen.

 

   


Natürlich dürfte dabei auch geholfen haben, dass sowohl Schmeiser als auch Shiva keine Unbekannten in der Region sind. Schmeiser füllte schon Jubiläumszelte auf der Fraueninsel im Chiemsee und Grabenstätt und Shiva schaffte es, die Inntalhalle in Rosenheim bis auf den letzten Platz zu füllen. Organisator Christoph Fischer von Zivilcourage Rosenheim sagte in Salzburg, der Hallenwirt habe ihm erzählt, die Halle sei nicht mehr so voll gewesen, seit dort Franz-Joseph Strauß in den 80-er Jahren sprach.

In Österreich scheint die grüne Gentechnik nicht ganz das Konfliktpotenzial zu erreichen, das sie in Bayern und Deutschland hat. Grund dafür dürfte sein, dass sich im Nachbarland von Anfang an sowohl die meisten Bauern- und Verbraucherverbände, als auch parteiübergreifend die Politik konsequent gegen die Gentechnik stellten. Zudem dürfte die Chemie-Lobby in Österreich um einiges schwächer sein als in Deutschland. Welche Macht diese Chemie-Riesen haben, schilderte zuerst der kanadische Rapsbauer Percy Schmeiser, als er seinen Kampf gegen den multinationalen Monsanto-Konzern beschrieb. Er sagte, Bauern sollten sich vorstellen, wie es ist, wenn eines Tages Vertreter eines Großkonzerns kämen und ihm eröffneten, er habe jetzt Lizenzgebühren in Höhe von etwa 140.000 Euro zu bezahlen, weil er unerlaubt ihr Saatgut verwendet habe. Nach seiner Weigerung, weil er sich unschuldig wusste, musste er sich durch sämtliche Instanzen bis zum Bundesgericht in Ottawa kämpfen. Dieses Gericht sprach zwar Monsanto zu, sämtliche Rechte auf ihr Saatgut zu besitzen. Schmeiser habe aber keinerlei Vorteil davon gehabt, wenn er wissentlich ihr Saatgut verwendet hätte und das Gericht erlies Schmeiser die Zahlung der Lizenzgebühren. Andere Bauern seien nicht so erfolgreich gewesen, denn schon drei Jahre nach der Einführung der gentechnisch veränderten Rapspflanzen waren fast 100 Prozent des kanadischen Rapses gentechnisch verseucht, obwohl nur 30 Prozent der Farmer gentechnisch veränderten Raps angebaut hatten.

Worauf Schmeiser mit seinem Fall hinwies, war, dass es absolut kein Nebeneinander von grüner Gentechnik und konventionellem Anbau geben könne. Da würden auch Abstände, die viel größer als die in Deutschland erlaubten seien, nicht helfen. Fast unter Tränen sagte Schmeiser abschließend, seine Frau Louise und er hätten das Gelübde abgelegt, dass solange noch ein Funken Leben in ihnen ist, sie nicht aufhören werden, Bauern weltweit vor den Gefahren der grünen Gentechnik zu warnen. Die promovierte Physikerin Vandana Shiva befasste sich in Salzburg vor allem mit den nicht eingehaltenen Versprechen der chemischen Industrie hinsichtlich der grünen Gentechnik. So würde beim gentechnisch veränderten Soja nach einer anfänglichen Minderung viel mehr vom Spritzmittel "Round-Up" benötigt als bei konventionellem Anbau.

Christoph Fischer sagte, in Argentinien sei der Verbrauch des Pestizids innerhalb von sechs Jahren nach der Einführung von gentechnisch verändertem Soja von 15.000 Tonnen auf 185.000 Tonnen angestiegen.

Shiva bemängelte auch den sogenannten "Golden Rice", der durch gentechnische Veränderung Vitamin A enthält und dadurch vor Erblindung schützen soll. Es müssten aber etwa zwei Kilo pro Tag davon gegessen werden, um einen effektiven Schutz zu erreichen, so Shiva. Alle Behauptungen der Gentechnik-Konzerne hinsichtlich der grünen Gentechnik seien bisher entkräftet worden und sie wisse, dass grüne Gentechnik niemals die Erwartungen und Behauptungen - etwa den Hunger in der Welt zu stoppen - erfüllen könne. Vielmehr ginge es um das Erreichen von Kontrolle durch Patente, so Shiva. Zudem zerstöre die grüne Gentechnik die Natur, vermindere die Vielfalt an Lebensmitteln und sei überdies nur für großflächigen Monokultur-Anbau geeignet.

Auf eine diesbezügliche Frage während einer Pressekonferenz meinten Beide, Schmeiser und Shiva, dass die Konzerne nicht davor zurückschrecken würden, absichtlich Lieferungen mit gentechnisch verändertem Material zu kontaminieren, um die Gentechnik sozusagen durch die Hintertür einzuführen und Politik, Bauern und Verbraucher vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Diskussion unter den bayerischen Besuchern drehte sich darum, wie dem Großteil der Bauern und vor allem den Verbrauchern die Gefahren der grünen Gentechnik vermittelt werden können.

 

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