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Natürlich dürfte dabei auch geholfen haben, dass sowohl Schmeiser als
auch Shiva keine Unbekannten in der Region sind. Schmeiser füllte schon
Jubiläumszelte auf der Fraueninsel im Chiemsee und Grabenstätt und Shiva
schaffte es, die Inntalhalle in Rosenheim bis auf den letzten Platz zu
füllen. Organisator Christoph Fischer von Zivilcourage Rosenheim sagte
in Salzburg, der Hallenwirt habe ihm erzählt, die Halle sei nicht mehr
so voll gewesen, seit dort Franz-Joseph Strauß in den 80-er Jahren
sprach.
In Österreich scheint die grüne Gentechnik nicht ganz das
Konfliktpotenzial zu erreichen, das sie in Bayern und Deutschland hat.
Grund dafür dürfte sein, dass sich im Nachbarland von Anfang an sowohl
die meisten Bauern- und Verbraucherverbände, als auch parteiübergreifend
die Politik konsequent gegen die Gentechnik stellten. Zudem dürfte die
Chemie-Lobby in Österreich um einiges schwächer sein als in Deutschland.
Welche Macht diese Chemie-Riesen haben, schilderte zuerst der kanadische
Rapsbauer Percy Schmeiser, als er seinen Kampf gegen den multinationalen
Monsanto-Konzern beschrieb. Er sagte, Bauern sollten sich vorstellen,
wie es ist, wenn eines Tages Vertreter eines Großkonzerns kämen und ihm
eröffneten, er habe jetzt Lizenzgebühren in Höhe von etwa 140.000 Euro
zu bezahlen, weil er unerlaubt ihr Saatgut verwendet habe. Nach seiner
Weigerung, weil er sich unschuldig wusste, musste er sich durch
sämtliche Instanzen bis zum Bundesgericht in Ottawa kämpfen. Dieses
Gericht sprach zwar Monsanto zu, sämtliche Rechte auf ihr Saatgut zu
besitzen. Schmeiser habe aber keinerlei Vorteil davon gehabt, wenn er
wissentlich ihr Saatgut verwendet hätte und das Gericht erlies Schmeiser
die Zahlung der Lizenzgebühren. Andere Bauern seien nicht so erfolgreich
gewesen, denn schon drei Jahre nach der Einführung der gentechnisch
veränderten Rapspflanzen waren fast 100 Prozent des kanadischen Rapses
gentechnisch verseucht, obwohl nur 30 Prozent der Farmer gentechnisch
veränderten Raps angebaut hatten.
Worauf Schmeiser mit seinem Fall hinwies, war, dass es absolut kein
Nebeneinander von grüner Gentechnik und konventionellem Anbau geben
könne. Da würden auch Abstände, die viel größer als die in Deutschland
erlaubten seien, nicht helfen. Fast unter Tränen sagte Schmeiser
abschließend, seine Frau Louise und er hätten das Gelübde abgelegt, dass
solange noch ein Funken Leben in ihnen ist, sie nicht aufhören werden,
Bauern weltweit vor den Gefahren der grünen Gentechnik zu warnen. Die
promovierte Physikerin Vandana Shiva befasste sich in Salzburg vor allem
mit den nicht eingehaltenen Versprechen der chemischen Industrie
hinsichtlich der grünen Gentechnik. So würde beim gentechnisch
veränderten Soja nach einer anfänglichen Minderung viel mehr vom
Spritzmittel "Round-Up" benötigt als bei konventionellem Anbau.
Christoph Fischer sagte, in Argentinien sei der Verbrauch des Pestizids
innerhalb von sechs Jahren nach der Einführung von gentechnisch
verändertem Soja von 15.000 Tonnen auf 185.000 Tonnen angestiegen.
Shiva bemängelte auch den sogenannten "Golden Rice", der durch
gentechnische Veränderung Vitamin A enthält und dadurch vor Erblindung
schützen soll. Es müssten aber etwa zwei Kilo pro Tag davon gegessen
werden, um einen effektiven Schutz zu erreichen, so Shiva. Alle
Behauptungen der Gentechnik-Konzerne hinsichtlich der grünen Gentechnik
seien bisher entkräftet worden und sie wisse, dass grüne Gentechnik
niemals die Erwartungen und Behauptungen - etwa den Hunger in der Welt
zu stoppen - erfüllen könne. Vielmehr ginge es um das Erreichen von
Kontrolle durch Patente, so Shiva. Zudem zerstöre die grüne Gentechnik
die Natur, vermindere die Vielfalt an Lebensmitteln und sei überdies nur
für großflächigen Monokultur-Anbau geeignet.
Auf eine diesbezügliche Frage während einer Pressekonferenz meinten
Beide, Schmeiser und Shiva, dass die Konzerne nicht davor
zurückschrecken würden, absichtlich Lieferungen mit gentechnisch
verändertem Material zu kontaminieren, um die Gentechnik sozusagen durch
die Hintertür einzuführen und Politik, Bauern und Verbraucher vor
vollendete Tatsachen zu stellen. Die Diskussion unter den bayerischen
Besuchern drehte sich darum, wie dem Großteil der Bauern und vor allem
den Verbrauchern die Gefahren der grünen Gentechnik vermittelt werden
können.
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