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Teisendorf: (wh) - Die
Landwirtschaft und der Lebensmittelmarkt ist voll im Umbruch.
Globalisierung, Klimawandel, Lebensmittelskandale und Verkehrsprobleme
zeigen, dass es so nicht weitergeht. Deshalb setzen Handelsagenturen,
Politiker und Verbraucher wieder auf „Nah“-Versorgung. Das heißt,
Lebensmittel aus der Region, ehrlich und sauber produziert und mit
gerechter Entlohnung für die Produzenten stehen wieder hoch im Kurs.
Die Solidargemeinschaft Berchtesgadener
Land e.V. sieht sich als Vorreiter dieser guten Idee und ist dieser
Aufgabe im besonderen verpflichtet, sagte 1. Vorsitzender Wolfgang
Stäblein bei der Begrüßung anlässlich der 7. Regionalsiegel-Verleihung
am vergangenen Sonntag beim Dreifaltigkeitsmarkt in Teisendorf.
Hierbei wurde an 24 Betriebe insgesamt
66 Siegel verliehen, davon 29 „ohne Gentechnik“. Alle der
ausgezeichneten Betriebe können von sich behaupten, dass sie Leistungen
für die regionale Wirtschaftskraft des Landkreises Berchtesgadener Land
erbringen und durch kurze Transportwege zur Energieeinsparung beitragen.
Die Solidargemeinschaft will Bindeglied
zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher sein und ihn über die breite
Produktpalette und die möglichen Dienstleistungen informieren und
beraten. Der Verbraucher soll wieder Vertrauen zu den Produkten der
Region haben, soll wissen wie diese Produkte erzeugt werden und wo er
sie bekommt. Das Regionalsiegel stellt eine hohe Auszeichnung dar und
bürgt für Qualität. Da ist es dann sicherlich auch gerechtfertigt, dass
diese hochwertigen Produkte ihren Preis haben.
Eine wichtige Rolle spielt deshalb auch
die Vermarktung. Viele Mitglieder sind Selbstvermarkter und bieten ihre
Waren auf Wochen- und Bauernmärkten an bzw. haben eigene Hofläden. Für
viele Landwirte bietet dies eine Möglichkeit zur Existenzsicherung und
zur Fortführung ihres Betriebes. Ebenso sollen der Einzelhandel aber
auch Verbrauchermärkte für die Vermarktung gewonnen werden.
Aber auch die Gastronomie hat eine
wichtige Aufgabe, indem sie die Produkte der Region als Grundzutaten für
ihr Speisenarrangement verwendet und so den Tourismus fördert. Als
Zahlungsmittel werden Sterntaler und Chiemgauer bevorzugt.
Die Solidargemeinschaft Berchtesgadener
Land wurde am 3. Dezember 2001 aus dem Arbeitskreis Landwirtschaft,
Forstwirtschaft und Naturschutz der Landkreis-Agenda 21 heraus gegründet
und zählt heute 70 Mitglieder. Sie arbeitet als Förderverein mit
ehrenamtlichen Vertretern von VerbraucherInnen, Landwirtschaft und
Erzeuger, Verarbeiter und Dienstleister, Kirchen, Umweltschutz
/Naturschutz und Tourismus daran, die positiven Ansätze im Landkreis
herauszuarbeiten und zu stärken um gemeinsam die natürlichen
Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen im Berchtesgadener
Land zu erhalten und zu verbessern.
„Dies tut unserer Region wahrlich gut,
nicht nur finanziell, sondern auch durch den sozialen Aspekt. So bilden
die 24 Siegelbetriebe in diesem Jahr 23 Lehrlinge aus. Hochgerechnet auf
die letzten 10 Jahre waren es 114 Auszubildende. Das Anliegen der
Solidargemeinschaft ist es, dass unsere Jugend auch in der Zukunft eine
Perspektive in unserer Region hat, denn wer weggeht um zu lernen, bleibt
meistens auch zum Arbeiten weg“, so Vorsitzender Stäblein.
Als Anreiz für die Mitgliedsbetriebe, aber
auch als Auszeichnung und Werbegrundlage für Produkte und
Dienstleistungen wurde ein Gütesiegel geschaffen das „Regionalsiegel
Berchtesgadener Land“. Jeder Mitgliedsbetrieb kann seine Produkte oder
Dienstleistung zur Zertifizierung anmelden und erhält bei Erfüllung
aller Voraussetzung dieses Regionalsiegel verliehen. Die Verleihung wird
jeweils öffentlich durchgeführt, wie am vergangenen Sonntag in
Teisendorf beim Dreifaltigkeitsmarkt.

Wie Vorsitzender Stäblein sagte, konnten
dabei gleich zwei Premieren erfolgen.
Einmal wurden im Rahmen des
Aktionsbündnisses Gentechnikfreier Landkreis Berchtesgadener Land die
Kriterien für „Gentechnikfreie Produkte“ erstellt. Schon 30 der
Siegelprodukte können mit dem Gentechnikfreien Siegel ausgestattet
werden, dazu gibt es noch 7 Biosiegel, die von Haus aus gentechnikfrei
produziert werden. Natürlich arbeiten auch Dienstleister und Handwerker
gentechnikfrei. Die 2. Premiere ist das „Regionalregal“ der Firma
Heinrich Aicher, aus Altholz nach handwerklicher Tradition hergestellt.
Stäblein bedankte sich bei allen, die sich
aktiv und ehrenamtlich für die Solidargemeinschaft einsetzen. Sein Dank
galt ebenso der Marktgemeinde Teisendorf, dass die Verleihung im Rahmen
des Dreifaltigkeitsmarktes durchgeführt werden konnte.
In seinem Grußwort bedankte sich 1.
Bürgermeister Franz Schießl bei der Vorstandschaft der
Solidargemeinschaft, dass die Siegelverleihung diesmal in Teisendorf
stattfinden kann. Der Markt mit seinen Besuchern und der Marktplatz ist
sicher hierzu ein schöner Rahmen. Im Namen des Marktes Teisendorf
gratulierte er allen, die dieses Regionalsiegel verliehen bekommen.
Regionale Wirtschaft, regionales produzieren sind heute in aller Munde.
Es ist aber nicht nur ein Modetrend, sondern eine sehr wichtige Sache um
den heimischen Betrieben für ihre gesunden Lebensmittel und Produkte
ohne große Vermarktungswege eine Absatzmöglichkeit zu geben.
„Regionales Verbraucherverhalten heißt,
sich dessen bewusst zu sein, was aus der Region kommt, soll auch in der
Region bleiben“, meinte dann Landrat Georg Grabner. Diese
Regionalsiegelverleihung soll den Verbraucher auf die guten Produkte
aufmerksam machen und ihm die Vorteile von regional erzeugten Produkten
aufzeigen, um ihn so in seiner Kaufentscheidung zu stärken. Dadurch
bleibt die Wertschöpfung in der Region, es werden Ausbildungs- und
Arbeitsplätze gesichert. Darum ist es wichtig, dass die Verbraucher
informiert werden, dass es Betriebe gibt, die diese
Qualitätsanforderungen erfüllen und entsprechende
Vermarktungsorganisationen um die Ware rasch und in bester Qualität an
den Kunden zu bringen. Sein Dank galt der Solidargemeinschaft für das
stete Bemühen und allen Betrieben, die sich diesen
Qualitätsanforderungen unterziehen.
Dann konnten Wolfgang Stäblein und
Beiratsmitglied Pfarrer Simon Eibl eine besondere Auszeichnung
vornehmen. Sie konnten Alois Beer sen. aus Weng bei Ainring mit der
Ehrenurkunde für besondere Leistungen in der Regionalvermarktung
auszeichnen.

Alois Beer hatte 1971 die elterliche
Landwirtschaft übernommen, baute 1976 bereits ein Fahrsilo und 1977
einen modernen Laufstall. Sein Betrieb wurde zum Herzeigebetrieb,
Familie Beer war immer bereit, eigenes Wissen und Erfahrungen an andere
Landwirte weiterzugeben. Als Ende der 80er Jahre der Preis des
Rindfleisches immer weiter sank, begann Alois Beer zusammen mit einem
Metzger mit der Selbstvermarktung, anfangs noch in kleinem Rahmen. Ab
1991 baute er die Direktvermarktung aus und verkauft heute ab Hof und
auf den Wochenmärkten in Freilassing und Bad Reichenhall.
1995 wurde die GmbH zwischen Waging und
Watzmann gegründet und 2003 in einen Verein der Direktvermarkter
umgewandelt. Der Verein der Direktvermarkter verwendet nur
gentechnikfreie Futtermittel. Alois Beer war von Anfang an bis heute
deren 1. Vorstand und ist der Motor der Direktvermarktung im
Rupertiwinkel und im Landkreis Berchtesgadener Land.
Anschließend wurden die Regionalsiegel
verliehen, wobei jedes der aufgeführten Produkte mit einem Siegel
ausgezeichnet wurde. Die Familie Johann Aicher, Aichermühle Eizing
erhielt Urkunden für Weizenmehl, Roggenmehl, Dinkelmehl, die
Schreinerei Heinrich Aicher Hötzling bei Laufen für Kinder Einzel- und
Doppelbett aus heimischem Holz und Regionalregal aus Altholz, die
Metzgerei Michael Spitzauer Leobendorf für Rindfleisch, Schweinefleisch
ohne Gentechnik, Wurst, die Kelterei Gregor Greimel Laufen für Apfelsaft
klar, Apfelsaft trüb, Apfelwein, Bayerischer Most, Apfel-Holler-Saft,
Birnensaft naturtrüb, Johannisbeer Nektar rot, Apfel-Mango-Saft
(Mangosaft aus fairem Handel), Direktvermarkter Otto und Heidi
Wittscheck Niederheining-Laufen für Rindfleisch, Schweinefleisch,
Wiener, Regensburger und Dicke, alles ohne Gentechnik, die Handweberei
Georg und Annelies Huber aus Berg Saaldorf-Surheim für Schafwollteppich
aus heimischer Ware, Direktvermarkter-Gruppenreisen –
Berg-Saaldorf-Surheim für regionale Gruppenreisen, Direktvermarkter
Alois und Ursula Beer Weng bei Ainring für Rindfleisch, Kalbfleisch,
Schweinefleisch, Lammfleisch und Geflügel, alles ohne Gentechnik,
Obstbau Franz und Susanne Genzinger in Feldkirchen-Ainring Bioanbau für
Äpfel und Himbeeren, Metzgerei Gumpinger, Maria Langwallner jun. für
luftgetrockneter Schinkenspeck, Lammfleisch, Kaminwurzen, Hauswürstl und
Kalbsleberwurst, alles ohne Gentechnik, Direktvermarkter Bernhard Hennes
Grabenstätt für Chiemgauer Freilandeier ohne Gentechnik und Chiemgauer
Nudeln, Imker Simon Angerpointner Oberteisendorf für Weisskleehonig ohne
Gentechnik, Martin und Gerdi Helminger Neukirchen für Semmelbratwürste,
Schweinefleisch, Weisswürste und Knoblauchstangerl, alles ohne
Gentechnik, Kelterei Stadler Högl bei Piding für Apfelsaft klar,
Apfelsaft trüb, Apfel-Birnensaft, Stachelbeernektar, Quittennektar,
Marmelade und Honig, Bäckerei Stefan Neumeier Anger für Neumeier's
Frankenlaib, Höglwörther Stiftslaib und Dinkel-Vollkornbrot, Bäckerei
Josef und Appolonia Wolfgruber Anger für Demeter Landbrot und Bio
Keimstangerl, Landgasthof Hofwirt, Johannes und Marianne Hofmann Bad
Reichenhall für Kalbstafelspitzsülze, Frische Gebirgswasserforelle und
Salinenbraten, Direktvermarkter Charlotte und Hans Gruber Karlstein, Bad
Reichenhall für ohne Gentechnik erzeugtes Rindfleisch, Almkäse und
Bergkäse, Fischzucht Alpenland Karlstein für ohne Gentechnik erzeugte
Saibling und Regenbogenforelle. Berggasthof Schroffen Bad Reichenhall
für Regionale Marktwirtschaft, tierische Grundprodukte ohne Gentechnik,
Fischzucht Stangass Thomas und Vroni Resch Bischofswiesen für
Regenbogenforelle ohne Genteechnik, Bäckerbrüder Alfons und Franz
Neumeier in Bischofswiesen Bio für Berchtesgadener Landbrot mit Demeter
Topfen, Demeter Dinkelvollkornmehl und Demeter Roggenvollkornmehl,
Wolfgang Stäblein, Küchenleiter in Schönau am Königssee für seinen
Kochkurs „ois wia's wachst“ und das „Felicitas Kochbuch“ und Bäckerei
Herbert Zechmeister in Schönau am Königssee für Jägerlaib und
Bauernbrot. Zechmeister berichtete dass sich auch schon der Deutsche
Alpenverein für Produkte aus der Region interessiert hat, die dann auf
seinen Hütten angeboten werden.
Bei der Urkundenverleihung hatte jeder
ausgezeichnete Gelegenheit, seinen Betrieb kurz vorzustellen
Die Besucher hatten anschließend noch
Gelegenheit, an verschiedenen Ständen der Geehrten die Siegelprodukte zu
verkosten und sich über die Herstellung zu informieren. Auch Infos über
sie Solidargemeinschaft lagen auf. |
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