01. Juni 2008
Aus der Region – für die Region

In Teisendorf wurden 24 Betriebe der Region mit dem Regionalsiegel Berchtesgadener Land ausgezeichnet

 
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Ein Artikel aus der Südostbayerischen Rundschau, 24.05.2008

 

   

 Teisendorf: (wh) -  Die Landwirtschaft und der Lebensmittelmarkt ist voll im Umbruch. Globalisierung, Klimawandel, Lebensmittelskandale und Verkehrsprobleme zeigen, dass es so nicht weitergeht. Deshalb setzen Handelsagenturen, Politiker und Verbraucher wieder auf „Nah“-Versorgung. Das heißt, Lebensmittel aus der Region, ehrlich und sauber produziert und mit gerechter Entlohnung für die Produzenten stehen wieder hoch im Kurs.

 

Die Solidargemeinschaft Berchtesgadener Land e.V. sieht sich als Vorreiter dieser guten Idee und ist dieser Aufgabe im besonderen verpflichtet, sagte 1. Vorsitzender Wolfgang Stäblein bei der Begrüßung anlässlich der 7. Regionalsiegel-Verleihung am vergangenen Sonntag beim Dreifaltigkeitsmarkt in Teisendorf.

 

Hierbei wurde an 24 Betriebe insgesamt 66 Siegel  verliehen, davon 29 „ohne Gentechnik“. Alle der ausgezeichneten Betriebe können von sich behaupten, dass sie Leistungen für die regionale Wirtschaftskraft des Landkreises Berchtesgadener Land  erbringen und durch kurze Transportwege zur Energieeinsparung beitragen.

 

Die Solidargemeinschaft will Bindeglied zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher sein und ihn über die breite Produktpalette und die möglichen Dienstleistungen informieren und beraten. Der Verbraucher soll wieder Vertrauen zu den Produkten der Region haben, soll wissen wie diese Produkte erzeugt werden und wo er sie bekommt. Das Regionalsiegel stellt eine hohe Auszeichnung dar und bürgt für Qualität. Da ist es dann sicherlich  auch gerechtfertigt, dass diese hochwertigen Produkte  ihren Preis haben. 

 

Eine wichtige Rolle spielt deshalb auch die Vermarktung. Viele Mitglieder sind Selbstvermarkter und bieten ihre Waren auf Wochen- und Bauernmärkten an  bzw. haben eigene Hofläden. Für viele Landwirte bietet dies eine Möglichkeit zur Existenzsicherung und zur Fortführung ihres Betriebes. Ebenso sollen der Einzelhandel aber auch Verbrauchermärkte für die Vermarktung gewonnen werden.

 

Aber auch die Gastronomie hat eine wichtige Aufgabe, indem sie die Produkte der Region als Grundzutaten für ihr Speisenarrangement verwendet und so den Tourismus fördert. Als Zahlungsmittel werden Sterntaler und Chiemgauer bevorzugt.

 

Die Solidargemeinschaft Berchtesgadener Land wurde am 3. Dezember 2001 aus dem Arbeitskreis Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz der Landkreis-Agenda 21 heraus gegründet und zählt heute 70 Mitglieder. Sie arbeitet als Förderverein mit ehrenamtlichen Vertretern von VerbraucherInnen, Landwirtschaft und Erzeuger, Verarbeiter und Dienstleister, Kirchen, Umweltschutz /Naturschutz und Tourismus daran, die positiven Ansätze im Landkreis herauszuarbeiten und zu stärken um gemeinsam die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen  im Berchtesgadener Land  zu erhalten und zu verbessern.

 

„Dies tut unserer Region wahrlich gut, nicht nur finanziell, sondern auch durch den sozialen Aspekt. So bilden die 24 Siegelbetriebe in diesem Jahr 23 Lehrlinge aus. Hochgerechnet auf die letzten 10 Jahre waren es 114 Auszubildende. Das Anliegen der Solidargemeinschaft ist es, dass unsere Jugend auch in der Zukunft eine Perspektive in unserer Region hat, denn wer weggeht um zu lernen, bleibt meistens auch zum Arbeiten weg“, so Vorsitzender Stäblein.

 

Als Anreiz für die Mitgliedsbetriebe, aber auch als Auszeichnung und Werbegrundlage für Produkte und Dienstleistungen wurde ein Gütesiegel geschaffen das „Regionalsiegel Berchtesgadener Land“. Jeder Mitgliedsbetrieb kann seine Produkte oder Dienstleistung zur Zertifizierung anmelden und erhält bei Erfüllung aller Voraussetzung dieses Regionalsiegel verliehen. Die Verleihung wird jeweils öffentlich durchgeführt, wie am vergangenen Sonntag in Teisendorf beim Dreifaltigkeitsmarkt. 

 

 

Wie Vorsitzender Stäblein sagte, konnten dabei gleich zwei Premieren erfolgen.

 

Einmal wurden im Rahmen des Aktionsbündnisses Gentechnikfreier Landkreis Berchtesgadener Land die Kriterien für „Gentechnikfreie Produkte“ erstellt. Schon 30 der Siegelprodukte können mit dem Gentechnikfreien Siegel ausgestattet werden, dazu gibt es noch 7 Biosiegel, die von Haus aus gentechnikfrei produziert werden. Natürlich arbeiten auch Dienstleister und Handwerker gentechnikfrei. Die 2. Premiere ist das „Regionalregal“ der Firma Heinrich Aicher, aus Altholz nach handwerklicher Tradition hergestellt.

 

Stäblein bedankte sich bei allen, die sich aktiv und ehrenamtlich für die Solidargemeinschaft einsetzen. Sein Dank galt ebenso der Marktgemeinde Teisendorf, dass die Verleihung im Rahmen des Dreifaltigkeitsmarktes durchgeführt werden konnte. 

 

In seinem Grußwort bedankte sich 1. Bürgermeister Franz Schießl bei der Vorstandschaft der Solidargemeinschaft, dass die Siegelverleihung diesmal in Teisendorf stattfinden kann. Der Markt mit seinen Besuchern und der Marktplatz  ist sicher hierzu ein schöner Rahmen. Im Namen des Marktes Teisendorf gratulierte er allen, die dieses Regionalsiegel verliehen bekommen. Regionale Wirtschaft, regionales produzieren sind heute in aller Munde. Es ist aber nicht nur ein Modetrend, sondern eine sehr wichtige Sache um den heimischen Betrieben für ihre gesunden Lebensmittel und Produkte ohne große Vermarktungswege eine Absatzmöglichkeit zu geben.

 

„Regionales Verbraucherverhalten heißt, sich dessen bewusst zu sein, was aus der Region kommt, soll auch in der Region bleiben“, meinte dann Landrat Georg Grabner. Diese Regionalsiegelverleihung soll den Verbraucher auf die guten Produkte aufmerksam machen und ihm die Vorteile von regional erzeugten Produkten aufzeigen, um ihn so in seiner Kaufentscheidung zu stärken. Dadurch bleibt die Wertschöpfung in der Region, es werden Ausbildungs- und Arbeitsplätze gesichert. Darum ist es wichtig, dass die Verbraucher informiert werden, dass es Betriebe gibt, die diese Qualitätsanforderungen erfüllen und entsprechende Vermarktungsorganisationen um die Ware rasch und in bester Qualität an den Kunden zu bringen. Sein Dank galt der Solidargemeinschaft für das stete Bemühen und allen Betrieben, die sich diesen Qualitätsanforderungen unterziehen. 

 

Dann konnten Wolfgang Stäblein und Beiratsmitglied Pfarrer Simon Eibl eine besondere Auszeichnung vornehmen. Sie konnten Alois Beer sen. aus Weng bei Ainring mit der Ehrenurkunde für besondere Leistungen in der Regionalvermarktung auszeichnen.

 

 

Alois Beer hatte 1971 die elterliche Landwirtschaft übernommen, baute 1976 bereits ein Fahrsilo und 1977 einen modernen Laufstall. Sein Betrieb wurde zum Herzeigebetrieb, Familie Beer war immer bereit, eigenes Wissen und Erfahrungen an andere Landwirte weiterzugeben. Als Ende der 80er Jahre der Preis des Rindfleisches immer weiter sank, begann Alois Beer zusammen mit einem Metzger mit der Selbstvermarktung, anfangs noch in kleinem Rahmen. Ab 1991 baute er die Direktvermarktung aus und verkauft heute ab Hof und auf den Wochenmärkten in Freilassing und Bad Reichenhall.

 

1995 wurde die GmbH zwischen Waging und Watzmann gegründet und 2003 in einen Verein der Direktvermarkter umgewandelt. Der Verein der Direktvermarkter verwendet nur gentechnikfreie Futtermittel. Alois Beer war von Anfang an bis heute deren 1. Vorstand und ist der Motor der Direktvermarktung im Rupertiwinkel und im Landkreis Berchtesgadener Land.

 

Anschließend wurden die Regionalsiegel verliehen, wobei jedes der aufgeführten Produkte mit einem Siegel ausgezeichnet wurde.  Die Familie Johann Aicher, Aichermühle Eizing erhielt Urkunden für Weizenmehl, Roggenmehl, Dinkelmehl,  die Schreinerei Heinrich Aicher Hötzling bei Laufen  für Kinder Einzel- und Doppelbett aus heimischem Holz und Regionalregal aus Altholz, die Metzgerei Michael Spitzauer Leobendorf für Rindfleisch, Schweinefleisch ohne Gentechnik, Wurst, die Kelterei Gregor Greimel Laufen für Apfelsaft klar, Apfelsaft trüb, Apfelwein, Bayerischer Most, Apfel-Holler-Saft, Birnensaft naturtrüb, Johannisbeer Nektar rot, Apfel-Mango-Saft (Mangosaft aus fairem Handel), Direktvermarkter Otto und Heidi Wittscheck Niederheining-Laufen für Rindfleisch, Schweinefleisch, Wiener, Regensburger und Dicke,  alles ohne Gentechnik, die Handweberei Georg und Annelies Huber aus Berg Saaldorf-Surheim für Schafwollteppich aus heimischer Ware,  Direktvermarkter-Gruppenreisen – Berg-Saaldorf-Surheim für regionale Gruppenreisen, Direktvermarkter Alois und Ursula Beer Weng bei Ainring für Rindfleisch, Kalbfleisch, Schweinefleisch, Lammfleisch und Geflügel, alles ohne Gentechnik, Obstbau Franz und Susanne Genzinger in Feldkirchen-Ainring Bioanbau für Äpfel und Himbeeren, Metzgerei Gumpinger, Maria Langwallner jun. für luftgetrockneter Schinkenspeck, Lammfleisch, Kaminwurzen, Hauswürstl und Kalbsleberwurst, alles ohne Gentechnik, Direktvermarkter Bernhard Hennes Grabenstätt für Chiemgauer Freilandeier ohne Gentechnik und Chiemgauer Nudeln, Imker Simon Angerpointner Oberteisendorf für Weisskleehonig ohne Gentechnik, Martin und Gerdi Helminger Neukirchen für Semmelbratwürste, Schweinefleisch, Weisswürste und Knoblauchstangerl, alles ohne Gentechnik, Kelterei Stadler Högl bei Piding für Apfelsaft klar, Apfelsaft trüb, Apfel-Birnensaft, Stachelbeernektar, Quittennektar, Marmelade und Honig, Bäckerei Stefan Neumeier Anger für Neumeier's Frankenlaib, Höglwörther Stiftslaib und Dinkel-Vollkornbrot, Bäckerei Josef und Appolonia Wolfgruber Anger  für Demeter Landbrot und Bio Keimstangerl, Landgasthof Hofwirt, Johannes und Marianne Hofmann Bad Reichenhall für Kalbstafelspitzsülze, Frische Gebirgswasserforelle und Salinenbraten, Direktvermarkter Charlotte und Hans Gruber Karlstein, Bad Reichenhall für ohne Gentechnik erzeugtes Rindfleisch, Almkäse und Bergkäse, Fischzucht Alpenland Karlstein für ohne Gentechnik erzeugte  Saibling und Regenbogenforelle. Berggasthof Schroffen Bad Reichenhall  für Regionale Marktwirtschaft, tierische Grundprodukte ohne Gentechnik, Fischzucht Stangass Thomas und Vroni Resch Bischofswiesen für Regenbogenforelle ohne Genteechnik, Bäckerbrüder Alfons und Franz Neumeier in Bischofswiesen Bio für Berchtesgadener Landbrot mit Demeter Topfen, Demeter Dinkelvollkornmehl und Demeter Roggenvollkornmehl, Wolfgang Stäblein, Küchenleiter in Schönau am Königssee für seinen Kochkurs „ois wia's wachst“ und das „Felicitas Kochbuch“ und Bäckerei Herbert Zechmeister in Schönau am Königssee für Jägerlaib und Bauernbrot. Zechmeister berichtete dass sich auch schon der Deutsche Alpenverein für Produkte aus der Region interessiert hat, die dann auf seinen Hütten angeboten werden.

 

Bei der Urkundenverleihung hatte jeder ausgezeichnete Gelegenheit, seinen Betrieb kurz vorzustellen

 

Die Besucher hatten anschließend noch Gelegenheit, an verschiedenen Ständen der Geehrten die Siegelprodukte zu verkosten und sich über die Herstellung zu informieren. Auch Infos über sie Solidargemeinschaft lagen auf. 

 
   

(Artikel von Waltraud Huber)

 
       

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