Direktvermarkter setzen auf sanften Tourismus.
Kultur und Kulinarisches: Italienische Wohnmobile stehen jetzt bei Bauern im Rupertiwinkel.
erschienen: Südostbayerische Rundschau am 18. April 2009

 
  Rupertiwinkel (höf). Vier Direktvermarkter aus dem Rupertiwinkel haben sich einer für Deutschland ungewöhnlichen Initiative angeschlossen, die sich in Ländern wie Frankreich und Italien schon längst zum Geheimtipp all derer entwickelt hat, die sich dem sanften Tourismus verschrieben haben, die Land und Leute entdecken wollen - und kulinarische Besonderheiten suchen.

1992 schufen französische Winzer und Landwirte mit "France Passion" die Möglichkeit für "Reisemobilisten", kostenlos und sicher eine Nacht auf dem Grund der Mitgliedsbetriebe zu übernachten. Die Gäste sind weder auf Wasserversorgung und -entsorgung noch auf Strom angewiesen, weisen sich per Mitgliedsausweis aus und revanchieren sich für die Gastfreundschaft in nahezu allen Fällen mit dem Einkauf bei den gastgebenden Direktvermarktern.

Die Initiative hatte einen derart durchschlagenden Erfolg, dass es heute möglich ist, rund 350 landwirtschaftliche Betriebe in ganz Frankreich aufzusuchen und so die vor Ort produzierten Spezialitäten kennen zu lernen. 2004 folgte "Fattore Amico" in Italien dem französischen Beispiel und konnte innerhalb von nur fünf Jahren rund 290 landwirtschaftliche Direktvermarkter vom Friaul bis Sizilien zur Teilnahme an der Initiative gewinnen. Dabei ist "Fattore Amico" ein italienisches Wortspiel, da "Fattore" sowohl "Faktor" bedeutet als auch "Bauer". Durch den umwerfenden Erfolg der Initiative in Italien bestärkt, trug sich der Vorsitzende Glauco Santagostino bereits Ende 2007 mit dem Gedanken, die Initiative auf Österreich, Slowenien und Deutschland auszudehnen.

Bei der Mailänder Campingmesse im März 2008 bot sich schließlich die willkommene Gelegenheit, da zufällig Werner Eckl, damals frisch gewählter Stadtrat in Laufen für Die Linke/Alternative Liste, im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als freiberuflicher Übersetzer und Tourismus-Experte unter anderem auch den Stand von "Fattore Amico" besuchte und von dem Angebot begeistert war.

Der Rest der Geschichte ist rasch erzählt: Eckl wandte sich an Hartmut Heinrich, den ehemaligen Leiter des Landwirtschaftsamtes Laufen-Traunstein, den er durch seine Aktivitäten bei der Solidargemeinschaft Berchtesgadener Land und bei den Direktvermarktern zwischen Watzmann und Waginger See für geradezu prädestiniert hielt, beim Start von "Fattore Amico" im Rupertiwinkel Pate zu stehen. Ein erstes Treffen hatte bereits im Sommer 2008 stattgefunden mit dem Ergebnis: Der Hofladen Wittschek in Niederheining bei Laufen, die Direktvermarktung Obermayer in Schifferleiten bei Fridolfing, die Direktvermarktung Hofhammer in Teisendorf sowie der Hofladen vom "Schütz" in Neukirchen nehmen teil und stehen heute unter "Bayern" als Anlaufstationen für Reisemobilisten in dem frisch gedruckten, viersprachigen Reiseführer von "Fattore Amico".

"Der Anfang ist gemacht" sagte Werner Eckl bei der Präsentation. Er bedankte sich bei Hartmut Heinrich, ohne den diese erste Beteiligung südostbayerischer Direktvermarkter nicht möglich gewesen wäre, und bei den ersten vier Mitgliedsbetrieben für den Mut, sich an der Initiative zu beteiligen. Die Teilnahme kostet nichts und die Direktvermarkter könnten dabei nur gewinnen. "Wenn man bedenkt, dass jährlich zehntausende italienischer Reisemobilisten Salzburg besuchen, ist damit der erste Anreiz geschaffen, das Salzburger Umland als ideales Basislager sichtbar zu machen", ist Eckl vom Erfolg überzeugt. Er wünscht sich, die Initiative auch auf Waging und den angrenzenden Flachgau auszudehnen. "Es ist sicher kein Zufall, dass sich bereits eine namhafte deutsche Camping-Fachzeitschrift bereit erklärt hat, das Sponsoring für die Initiative zu übernehmen", erklärte Eckl zum Start von "Fattore Amico" in Bayern.

Einem allerdings entkommt Werner Eckl nicht: Auf allgemeinen Wunsch wird er für die vier Direktvermarkter Ende Mai einen Crash-Kurs in italienischer Sprache anbieten, denn schließlich wollen die Gastgeber ihren Gästen bei telefonischen Anfragen auch korrekte Auskunft darüber erteilen können, ob noch Platz ist oder nicht.

 

 

    Gerti und Martin Helminger, Schütz

Michael und Evi Hofhammer, Teisendorf

Otto Wittscheck, Niederheining (Laufen)

Direktvermarktung Obermayer, Fridolfing

 

 

 Direktvermarkter zwischen Watzmann und Waginger See e.V   info@direkt-ab-hof.de